Durch die Regelung in § 10 Absatz 3 BAföG, ist es nur unter erschwerten Bedingungen möglich, ein Studium zu beginnen, wenn man das 30. Lebensjahr vollendet hat. Besonders in Studiengängen, die eine vorherige Berufsausbildung voraussetzen, führt dies regelmäßig dazu, dass Studierende während ihres Bachelorstudiums das 35. Lebensjahr erreichen und eine BAföGFörderung in der Zeit des Masters nicht mehr möglich ist. Im Zuge der Bologna-Reform in Deutschland wurden flächendeckend zweistufige Studiengänge in Form von Bachelor und Master geschaffen. Diese zweistufigen Studiengänge werden im Ausbildungsförderungsrecht als eigenständige Ausbildungsabschnitte zusammengefasst, was zur Folge hat, dass die in § 10 BAföG geregelte Altersgrenze nicht nur zu Beginn eines Studiums, sondern auch bei der Weiterqualifikation im Master, greift.
Durch die zwei getrennten Ausbildungsabschnitte wurde im BAföG nun eine zweite Altersgrenze eingefügt. Das bekämpft aber nur die Auswirkungen und nicht das eigentliche Problem an sich. Es wird nur eine zusätzliche Hürde geschaffen, denn wer sein Studium mit 30 anfängt und es (z.B. in einem achsemestrigen Bachelor) bis 35 nicht schafft, den Bachelor zu beenden, steht wieder vor dem Problem der Nichtfinanzierbarkeit. Hat man dann z.B. einen Bachelor im Lehramt, kann man seinen Schuldienst ohne Master nicht beginnen und die Ausbildung zu Lehrer wird aus finanziellen Grüneden abgebrochen.
Für Studierende, die die Altersgrenze überschreiten, bleibt nur noch die Möglichkeit, sich mit 30 bzw. 35 Jahren zu verschulden oder das Studium durch einen Nebenjob noch weiter hinauszuzögern. Ziel des BAföG ist es aber, allen Studierenden die Möglichkeit zu geben, unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation eine Ausbildung zu absolvieren, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht.
Diesem Ziel der Unabhängigkeit von der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden, kann das BAföG mit bestehender Altersgrenze nicht gerecht werden.
Mit der Anhebung der Altersgrenze wollte die Bundesregierung die Studierenden ermutigen, den berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss in typischen Bildungsbiografien zum Berufseinstieg zu nutzen. Dabei lässt die Regierung aber die immer häufiger auftretenden atypischen Bildungsbiografien sowie den Ansatz zum lebenslangen Lernen außer Acht. Die Anhebung ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber wenn man lebenslanges Lernen konsequent durchsetzen will, ist eine generelle Altersgrenze unmöglich mit diesem Grundsatz zu vereinbaren. Die atypischen Bildungsbiografien umfassen dabei nicht nur die in § 10 Absatz 3 Satz 2 Nr. 1 – 4 genannten Fälle des Erwerbs der Zugangsberechtigung über den zweiten Bildungsweg, des Zugangs zur Hochschule ohne Hochschulzugangsberechtigung, der Verzögerung durch Kindererziehung und die Bedürftigkeit aufgrund besonderer Veränderung der persönlichen Verhältnisse. Auch die zahlreichen Erlässe zu diesem Thema decken die atypischen Bildungsbiografien nicht ab und sind zudem Aufgrund ihrer Vielzahl für den normalen Studierenden nicht überschaubar.